Wohngruppe Bendestorf

 
 
Die Wohngruppe Bendestorf ist eine koedukative Wohngruppe mit 10 Plätzen, davon stehen drei Plätze für Kinder/Jugendliche nach §35a SGB VIII zur Verfügung.
 
Aufgenommen werden Kinder und Jugendliche beiderlei Geschlechts im Alter zwischen 6 und 14 Jahren aus den verschiedensten familiären Herkunftssystemen, Pflegefamilien, Jugendhilfeeinrichtungen sowie der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch Geschwisterkonstellationen, die aufgrund akuter familiärer Krisensituationen einer sofortiger Aufnahme bedürfen, können in der Wohngruppe betreut werden, bis eine Klärung der weiteren familiären Perspektiven erfolgt ist, bzw. solange die Hilfe für notwendig erachtet wird.
 
In dieser Wohngruppe, die sich von der Altersstruktur deutlich von den Betreuungsangeboten des Haupthauses unterscheidet und die speziell für Kinder bzw. jüngere Jugendliche ausgerichtet ist, geht es zunächst darum, ihnen Halt zu geben, sie aufzufangen und sie liebevoll zu unterstützen sich in ihrer neuen Lebenssituation zurecht zu finden. Im Vordergrund steht dabei Vertrauen, Akzeptanz, Sicherheit, Fürsorge und Geborgenheit zu vermitteln. In der täglichen Arbeit steht die individuelle Förderung zur Bewältigung der jeweiligen Entwicklungsaufgaben im Mittelpunkt, dabei soll den persönlichen und alterstypischen Besonderheiten und Bedürfnissen in besonderem Maße Rechnung getragen werden.
 
Aufgabe und Ziel ist es, den Kindern und Jugendlichen durch ein entsprechendes pädagogisch-therapeutisches Milieu Halt und Orientierung zu geben und sie entsprechend ihrer individuellen Voraussetzungen und Entwicklungsaufgaben in ihren personalen und sozialen Kompetenzen zu fördern. Das bedeutet, sie dazu zu befähigen ihre Bedürfnisse zu äußern, ihnen angemessene Umgangsformen sowie Konfliktlösungsstrategien zu vermitteln, sie zu ermuntern ihre Ressourcen zu entdecken, neues auszuprobieren und so ein positives Selbstbild zu erlangen. Erfolgserlebnisse sollen ermöglicht werden, um das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl zu stärken.
Der Herkunftsfamilie wird mit Wertschätzung und Akzeptanz begegnet um positive Beziehungsangebote zu erhalten und im Bewusstsein, dass sie zum nachhaltigen Gelingen der Hilfe maßgeblich beiträgt. Eltern sollen zudem in ihrer Erziehungskompetenz gestärkt werden. Nach Möglichkeit sollen die aufgenommenen Kinder und Jugendlichen wieder in ihre Herkunftsfamilie zurückgeführt werden. Dies bedeutet von Anfang an eine intensive Kooperation und die Bereitschaft sich mit der familiären Situation und den Problemen, die zur Unterbringung geführt haben, auseinander zu setzen.
 

Die Arbeit mit den Familien

 
Sowohl bei einer Rückführung in die Familie, als auch bei einer auf längere Dauer angelegten Lebensperspektive in der Einrichtung mit dem Ziel der Verselbstständigung, ist es notwendig, die Herkunftsfamilie planvoll und kontinuierlich in das Erziehungsgeschehen mit einzubeziehen. Aufgrund der vorausgegangenen Schwierigkeiten und Konflikte sowie der Trennungsproblematik ist es erforderlich, mit den Eltern gemeinsam die Probleme zu reflektieren, die letztendlich zur Unterbringung in der Einrichtung geführt haben. Eine konstruktive Einbeziehung der Eltern in die pädagogische Arbeit der Einrichtung, eine gemeinsame Abstimmung der Methoden und Ziele wirkt sich somit auch positiv auf die Entwicklung der zu Betreuenden aus und verhindert das Entstehen einer möglichen Konkurrenzsituation sowie die Entfremdung von der Herkunftsfamilie.
 
Um einen Eindruck von der Lebenswelt der Kinder, Jugendlichen und ihren Herkunftsfamilien zu bekommen, halten wir auch aufsuchende Elternarbeit für sinnvoll. Termine können mit anstehenden Beurlaubungen der Kinder und Jugendlichen verbunden werden. Aufgrund des dies bezüglich hohen Aufwandes stellt dies jedoch keine Regelleistung dar, sondern ist entsprechend der zur Verfügung stehenden personellen Ressourcen individuell zu klären. Es werden Maßnahmen zur Einbindung der Familie in die Betreuung in der Wohngruppe angeboten (z.B. gemeinsames Kochen, Backen, Ausflüge, Malen, Basteln, Spielen, Besuch von Veranstaltungen, Familientage, Gespräche mit Therapeuten, etc.), diesbezüglich sind auch Räumlichkeiten für Familien/Eltern vorhanden, welche die Teilnahme am Wohngruppenleben (in der Woche, an Wochenenden, in den Ferien, zu Veranstaltungen etc.) ermöglichen.
 
Die Eltern sollen sich aktiv an der Jugendhilfemaßnahme beteiligen, deshalb ist die Mitarbeit von zentraler Bedeutung, dies wird bereits im Aufnahmegespräch verdeutlicht. Inhalte der Elterngespräche sind im Wesentlichen der Informationsaustausch über die Entwicklung und die Betreuung der Kinder und Jugendlichen, die gemeinsame Planung weiterer Schritte zur Zielvereinbarung/Hilfeplanung, die gemeinsame Reflexion der Kontakte/Beziehung zwischen Eltern und Kindern/Jugendlichen, die Planung gemeinsamer begleiteter Aktivitäten, das Abklären gegenseitiger Erwartungen und Vorstellungen bezüglich der Zusammenarbeit und der Betreuungspraxis. Die Wohngruppe soll auch ein Lernfeld für Eltern und Familienmitglieder sein, dies bedeutet eine Offenheit für alle Ansätze von Eltern, sich konstruktiv in das Wohngruppenleben einzubringen. Hier können unter Anleitung pädagogische Situationen- und Aktionen vorbereitet, umgesetzt und gemeinsam reflektiert werden (Hausaufgabenbetreuung, Spielsituationen, Gesprächssituationen, sonstige gemeinsame Aktivitäten).
 
In den monatlichen Elterngruppen werden Eltern einerseits über die aktuelle Situation der Wohngruppe und ihrer Kinder und Jugendlichen informiert, andererseits werden hier exemplarisch Erziehungsfragen thematisiert und daran gearbeitet, dass Eltern das Verhalten ihrer Kinder und Jugendlichen besser verstehen können. Sie sollen dazu befähigt werden einen demokratischen Erziehungsstil zu praktizieren, der auf gegenseitigen Respekt und Wertschätzung basiert. Dies bedeutet die Bereitschaft ihr eigenes Handeln zu reflektieren, Perspektiven zu wechseln, neue Schritte zu gehen, neue Verhaltensweisen im Umgang mit ihren Kindern und Jugendlichen auszuprobieren und schließlich in der Lage zu sein, durch ihr pädagogisches Handeln Probleme lösen zu können. In den Elterngruppen sollen regelmäßig die Bedarfe und Themen der Eltern abgefragt werden, um zielgerichtet die Elternberatung durchführen zu können.
 
Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen bei der Rückführung in die Familie zu unterstützen. Sollte eine Rückführung langfristig nicht möglich sein, können die Kinder und Jugendlichen in die Betreuungsangebote des Haupthauses übergeleitet werden.

Ausgehend von der jeweiligen Problemlage werden die Perspektiven gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen und ihren Herkunftsfamilien entwickelt.

Die Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie ist wichtige Voraussetzung für die Entwicklung einer realistischen familiären Perspektive, die wir sowohl bei einer Rückführung, als auch bei einer individuellen Verselbstständigung im Rahmen der diesbezüglichen Betreuungsangebote des Forellenhofes für notwendig halten.